O.Univ.Prof. Dr. Manfred Wagner

Zur Rolle der Kunst in der Informationsgesellschaft

Tatsächlich wird die Rolle der Kunst in der Informationsgesellschaft eine weit größere sein als in der Produktionsgesellschaft. Dies vor allem, weil viele Anforderungen (Kreativität, Individualität, Vernetzung, Globalisierung...) einander decken. Kunst als Gestaltungskriterium bedient die Symbolisierung, die Gehirnstimulation, die Qualitätshierarchie und fungiert als identitätsstiftende Agentur. Kunst als Verständniskriterium vernetzt sinnliches Begreifen mit kognitiver Wahrnehmung, ordnet Präferenzcodes und stellt eine kritische Überprüfungsinstanz gesellschaftlichen Habitus und seiner Produkte dar. Kunst als Sozialisationskriterium ist eine ideale Schule für Auslotung der emotionalen Intelligenz, für Individualisierung und Kommunikation, für Emanzipation von Geschichte und Gegenwart und vor allem für die Kopulation von Lust und Erkenntnis auf hohem Niveau. Weil eben viele Aspekte zwischen Kunst und Informationsgesellschaft konform gehen, ist anzunehmen, dass zufolge der Ressourcenausschöpfung nicht nur eine breitere, sondern auch frühere und intensive Auseinandersetzung mit künstlerischer Arbeit erfolgen wird.

Anschließend: Eröffnung der Ausstellung von Werken aus der Sammlung der Universität für Angewandte Kunst, Wien, in den Räumen der Informatik-Institute.


Speaker: O.Univ.Prof. Dr. Manfred Wagner 
Universität für Angewandte Kunst, Wien

When:     Thursday, 22 nd of November 2001, 6:00 pm (s.t)
Where:    HS B, University Klagenfurt

Curriculum Vitae

Manfred Wagner, geboren 1944 in Niederösterreich, ist seit 1974 Professor für Kultur- und Geistesgeschichte an der heutigen Universität für Angewandte Kunst Wien. Er setzte sich in über 30 Büchern mit Phänomenen der Geschichte (Bruckner, Schubert, Liszt...) ebenso auseinander wie mit den Zusammenhängen von Kultur und Politik, der Begriffstrennung von Kultur und Kunst, der Medienrealität und dem Schulalltag. Diese theoretische Auseinandersetzung führte zu praktischen Konsequenzen. Er war von 1980 bis 1988 Prorektor der Universität für Angewandte Kunst, ist bereits zum zweiten Mal im Kuratorium des FWF, fungiert als Präsident der internationalen Schoenberg Gesellschaft und Aufsichtsratsvorsitzender der Niederösterreichischen Kulturholding. Seine Sabbaticals führten ihn nach Berlin (Ost), Budapest und an die Opernhäuser von Hamburg, Graz und Linz.