Um in der Analysephase der Software-Entwicklung Fehler zu vermeiden und Auftraggeber sowie Anwender stärker in die Analyse einzubinden, sieht die im Vortrag vorgestellte Vorgehensweise Object Engineering (OE) den Einsatz sprachbezogener Methoden zur Ermittlung von Anforderungen, der Prüfung der Qualität dieser Anforderungen, sowie gegebenenfalls ihrer Verbesserung vor.
Bei Object Engineering handelt es sich nicht um einen weiteren Ansatz, Anforderungen formal zu beschreiben, sondern um eine Methode, die direkt mit den in natürlicher Sprache verfaßten Anforderungen arbeitet. Ziel der Methode ist die Entwicklung qualitativ hochwertiger, juristisch verbindlicher, in natürlicher Sprache formulierter Anforderungen als Grundlage für die Systementwicklung.
Forschungsergebnisse aus Linguistik und Psychologie wurden von der SOPHIST GmbH auf das Requirements Engineering übertragen und ergaben dort ein handhabbares Werkzeug zur Aufdeckung mehrdeutiger oder unvollständige oder widersprüchliche Anforderungen sowie dazu geringe Qualität von Anforderungen möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Im Vortrag werden manche der sprachlichen Phänomene untersucht, die in der Praxis oft zu den genannten Defekten von Anforderungen führen. Darüber hinaus werden Wege zur Vermeidung bzw. Behebung dieser Defekte aufgezeigt.
Object Engineering setzt sich aus den 4 Bausteinen Sprachkomponente, Objektorientiertes Analysemodell, Abnahmekriterien und fachlicher Prototyp zusammen. Während die Sprachkomponente von OE herangezogen wird qualitativ hochwertige initiale Anforderungen zu erheben werden diese dann mit Hilfe des objektorientierten Analysemodells auf Konsistenz geprüft. Der Methodenbaustein Abnahmekriterien ist nicht nur die Basis für eine spätere Produktabnahme, sondern wird ebenfalls als Werkzeug zur Verbesserung und Validierung der Anforderungen genutzt. Der fachliche Prototyp schließlich ist hilfreich dabei sehr komplexe Zusammenhänge und fachliche Strukturen zu überprüfen. Das Qualitätsmerkmal von Anforderungen eindeutig, vollständig, konsistent und verständlich zu sein, wird mit dieser innovativen, methodischen Vorgehensweise auf Grundlage in natürlicher Sprache verfaßter Anforderungen erreicht.
Die SOPHIST Gesellschaft für innovatives Software-Engineering mbH, ein in Nürnberg ansässiges Unternehmen, beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Anforderungs- und Systemanalysen in technischen Großprojekten. Zu dem Kundenkreis des Beratungs- und Schulungsunternehmens zählen Unternehmen wie die Deutsche Flugsicherung (DFS), Swisscontrol, Daimler Benz, Deutsche Post und Siemens.
Unterstützt wird das methodische Vorgehen der SOPHIST GmbH mit einer zu diesem Zweck entwickelten Anforderungsdatenbank unter Lotus Notes. Diese Anforderungsdatenbank unterstützt den Prozeß der Erhebung von Anforderungen insofern, als sie die Anforderungen verteilt verwalten kann und methodenspezifische Informationen sowie ein konfigurierbares Workflow - Konzept integriert.
Informationen zur Vortragenden:
Christine Rupp, geboren 1967 in Nürnberg, schloß ihr Informatikstudium an der
Fachhochschule Nürnberg 1991 ab. Danach
war sie Mitarbeiterin in mehreren Projekten
der Siemens AG Erlangen, die sich mit der Analyse und dem Design von Software-Projekten
beschäftigten. Daneben bildete sich auch
als Software-Trainerin aus.
Während ihrer Tätigkeit für die Rösch Consulting GmbH 1994 und 1995 baute sie, neben der Organisation und Leitung des Schulungsbereiches, die Geschäftsstelle Süd aus. Im Jahre 1995 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete die SOPHIST GmbH, deren Geschäftsbereich die Projektleitung und das Consulting bei namhaften internationalen Großprojekten, wie z. B. für die Deutsche Flugsicherung, Swisscontrol, Austrian Product Assurance Company, Lockheed Martin, Raytheon und anderen, ist. Dabei liegt der Schwerpunkt der Beratung bei der Durchführung von Methoden- und Managementtraing. Heuer gründete Frau Rupp ein weiteres Unternehmen, die SOPHIST Technologies - Gesellschaft für innovative Informationstechnologien mbH. Frau Rupp ist Mitglied des Hochschulrates der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg und Vorstand des Arbeitskreises Softwarequalität Franken e.V. (ASQF e.V.)
Weiters ist Christine Rupp ist Autorin des Buches "C für PASCAL-Programmierer", das im Hüthig Verlag, Heidelberg erschien.
Referentin: Dipl.-Inf. Christine Rupp
SOPHIST Gesellschaft für innovatives Software-Engineering mbH
Reutlinger Str. 39a
D-90441 Nürnberg
Zeitpunkt: Freitag, 6. November 1998, 14 Uhr c. t.
Ort: HS 3 der Universität Klagenfurt