Department of Informatics - Events

Informatik-Kolloquium


Prof. Dr. Niklaus Wirth, ETH-Zürich

Gedanken zur Software-Explosion

Die Software-Industrie steht vor dem Dilemma, entweder ihre bisherigen Investitionen in der Form von Programmen und Systemen beizubehalten oder von den modernen Paradigmen und Methoden der Software-Entwicklung zu profitieren. Wie in solchen Fällen üblich, sucht sie einem Kompromiß und hofft, die Lösung im Hinzufügen von neuen Features in alten Systemen zu finden. Dies jedoch führt unweigerlich zu immer umfangreicheren Konstruktionen, deren Inneres komplex und undurchsichtig wird und die vielbeschworenen Prinzipien der systematischen Struktur, der Klarheit und Zuverlässigkeit Lügen straft. Solche Systeme sind nur noch dank der stetig wachsenden Leistung moderner Hardware implementierbar, wobei letztere oft sehr ineffektiv eingesetzt ist. Als Versuch, diesem Trend entgegenzutreten und zu zeigen, daß ein Großteil der Software-Komplexität nicht naturbedingt sondern hausgemacht ist, haben Prof. Wirth und seine Mitarbeiter das System Oberon von Grund auf, d.h. ohne Abstützung auf bestehende Systeme, aufgebaut. Das Oberon-System ist sehr flexibel, mächtig und leicht erweiterbar, aber dennoch kompakt und ökonomisch. Der Vortragende wird die hauptsächlichen, innovativen Konzepte Oberons in seinem Vortrag darlegen. Zum Schluß stellen wir fest, daß dasselbe Phänomen auch in anderen Gebieten, wie z.B. der Gesetzgebung und der Verwaltung auftritt und unweigerlich zur unliebsamen Aufblähung der einschlägigen Organisationen führt.



Referent: Prof. Dr. Niklaus Wirth
          ETH-Zürich

Zeitpunkt: Freitag, 17. März 1995, 15 Uhr c.t.

Ort: HS 1 der Universität Klagenfurt


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