Workflowmanagementsysteme (WFMS) sind Systeme, die es ermöglichen, Geschäftsprozesse rechnergestützt abzubilden und auszuführen. In vielen WFMS sind die Möglichkeiten zur Modellierung von Arbeitsabläufen derart inflexibel, daß Anpassungen oft nur mit erheblichem Aufwand umsetzbar sind. Unter Änderungen sind dabei Modifikationen in der Semantik der zur Verfügung gestellten Designelement (z.B. Erweiterungen durch (neue) Kontrollstrukturen, Wiederverwendung bestehender Prozeßdefinitionen in neu definierten Workflows, entsprechende Konstrukte zur Abbildung der gegebenen Organisationsstruktur, ...) als auch ad hoc Workflows - also die Abänderungen des vorab modellierten Geschäftsprozesses zur Laufzeit - zu verstehen. Das in dieser Arbeit entwickelte WFMS erfüllt die o.a. Forderungen nach Flexibilität, indem die Eigenschaften objektorientierter Systeme genutzt werden. Insbesondere die Vererbung von Struktur, von Verhalten und von Klassenzugehörigkeit (ein Objekt ist nicht nur Element seiner direkten Klasse sondern auch aller übergeordneten Superklassen) werden dazu verwendet, um auf Veränderungen in der Realität mit entsprechenden Modifikationen des rechnergestützten Modells zu reagieren. Dem Anwender wird es mit diesem Ansatz ermöglicht, zur Laufzeit vom vorgeschriebenen Ablauf abzuweichen, indem er im Rahmen eines elementaren Tasks den weiteren Ablauf definiert und damit zur Laufzeit z.B. auf Ausnahmesituationen reagieren kann. Zu diesem Zweck werden dem Anwender elektronische Formulare bereitgestellt, in denen die Neudefinition des weiteren Ablaufs vorgenommen wird. Um die Vorteile der o.a. Anpassungsfähigkeit zu erreichen, werden die einzelnen Sichten eines WFMS schrittweise objektorientiert modelliert und schließlich zu einem Metamodell integriert. Es werden die Eigenschaften und Konsequenzen diskutiert, die sich aus diesem Entwurf ergeben. Eine weitere positive Auswirkung dieser Konzeption ist die teilweise Verschmelzung der verschiedenen Sichten eines WFMS; d.h. die Definitions- und Laufzeitsicht, die bisher getrennt betrachtet wurden, werden zu einer einzigen Sicht kombiniert. Man unterscheidet nicht mehr zwischen Klassen, die Definitionsinstanzen beinhalten und zwischen Klassen, die Laufzeitinstanzen verwalten. Beide Arten von Instanzen werden in ein und derselben Klasse gespeichert. Es wird aufgezeigt, inwiefern die entstehenden Vererbungshierarchien eingesetzt werden können, um mit Hilfe von Polymorphismus differenziert zu programmieren. Außerdem wird auf die Vorteile beim Einsatz einer aktiven Datenbank im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Workflow-Servers eingegangen. Zum Abschluß wird ein Fallbeispiel aufbereitet, das mit Hilfe des in einigen Teilbereichen prototypisch implementierten Workflow-Servers ausgeführt wurde.